Im Rahmen der Next Normal Konferenz  – Wie kann Kirche künftig aussehen? – hat GottDigital den Workshop „Digitale Gemeinschaft schaffen – Neue Zielgruppen integrieren“ durchgeführt.

Hier finden Sie den Impuls durch GottDigital und die Beiträge der Teilnehmenden zum Nachlesen.

Impuls:

5 Thesen, wie das „Next Normal“ von Gemeinden mit digitalen Angeboten aussehen kann

These1: Gemeinde ist vielfältig

Das Verständnis, was Gemeinde ausmacht, hat sich stark erweitert und ist vielvielfältig geworden.
Aus dem meist zentralen Verständnis, dass Gemeinde sich am Gottesdienstbesuch am Sonntagmorgen sowie den Gruppentreffen in der Gemeinde unter der Woche definiert, ist eine breitere Auffassung geworden.

So gehören Menschen, die online an Gottesdiensten teilnehmen, sowie Gruppen, die sich per Videokonferenz treffen, genauso zur Gemeinde und zum Gemeindebild, wie die Gruppen vor Ort, hybride Gruppen und die Gottesdienstteilnehmer vor Ort.

Ein gutes Miteinander ist entstanden.

These 2: Online-Teilnehmer sind heterogen

Menschen, die an einem Gottesdienst online teilnehmen, sind eine viel heterogenere Gruppe als durchschnittliche Gottesdienstbesucher vor Ort.

So sind ältere Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr mobil sind oder pflegebedürftige Lebenspartner haben, genauso gerne dabei wie junge Familien mit ihren kleinen Kindern, Schicht- und Wochenendarbeitende, und Menschen, die zwar interessiert sind, aber allein niemals ein Kirchengebäude betreten würden.

Für viele der Online-Teilnehmer bedeutet es eine große Freiheit, ganz nah dabei zu sein ohne vor Ort zu sein oder sich zeigen zu müssen.

Kirche erreicht somit ganze neue und breitere Gruppen an Menschen.

These 3: Interaktion macht es zu „meinem“

Viele Online-Teilnehmer berichten, wenn sie sich durch Fragen zur Predigt, Gebetsanliegen, Meinungsabfragen etc. einbringen können, dann wird der Gottesdienst zu „ihrem“ Gottesdienst, wo sie mittendrin dabei sind.

Zu sehen, dass das gerade eingereichte Gebetsanliegen kurze Zeit später im Gottesdienst gesprochen wird und vielleicht noch mit einer Kerze symbolisiert wird, gibt eine unmittelbare Nähe zum Geschehen.

Oder eine Antwort auf die eigene Frage zur Predigt im „Kreuzverhör“ während des Gottesdienstes zu bekommen, gibt ein tieferes Verständnis der Botschaft.

Gottesdienste – auch die mit Besuchern vor Ort – nehmen durch Interaktionen die Menschen mitten ins Geschehen hinein.

These 4: Es geht um mich

Angeregt durch die ansprechenden Online-Gottesdienst entsteht ein Vertrauen in die Gemeinde und die Bereitschaft, sich bei den eigenen Alltags-Problemen helfen zu lassen, wächst.

So werden über den Gottesdienst hinausgehende Angebote zu Alltagsthemen der Menschen, wie Ehekurse, Erziehung, Konflikte, Single sein, Einsamkeit, Stress, Krankheit, Ängste, … bis hin zu Glaubenskursen eher angenommen.

Zuerst eher online, später gerne auch offline mit anderen vor Ort.

Gemeinde erreicht wieder mehr Relevanz im Alltag der Menschen und kann ganz konkret Hoffnung und Hilfe sein.

These 5: Aus Online wird Offline

Menschen, die sich bisher nur online treffen, möchten sich früher oder später auch persönlich kennenlernen.

So entstehen neben den Online-Angeboten auch Offline-Angebote vor Ort bzw. „Hybrid-Angebote“ wo einige vor Ort teilnehmen und andere von zuhause online zugeschaltet werden.
Beginnend bei den Gottesdiensten bis hin zu Gruppen, Kreisen, Angeboten und Veranstaltungen.

Und selbst Menschen, die hunderte Kilometer weg wohnen, kommen gerne zum Gemeindefest oder einer Freizeit dazu.

Der Beziehungsaspekt und der Austausch untereinander bleibt nicht nur erhalten, sondern wird sogar auf vielseitige Weise verstärkt und verbreitet.

 

Workshopdiskussionen:

  • Die These 1 „Gemeinde ist vielfältig“ stellt für einige Gemeinden eine große Herausforderung dar.
    Die Konzentration auf den Sonntaggottesdienst vor Ort ist dabei prägend und alle weiteren Aktivitäten haben in der Regel das direkte oder indirekte Ziele diesen zu stärken und zu verstärken.
    Sollten die Online-Angebote ebenfalls das (wesentliche) Ziel haben, den vor Ort-Gottesdienst zu stärken, sollte man dies auch in den Online-Formaten deutlich machen.
  • „Wie motiviert man Hauptamtliche?“
    Auch wenn Online-Angebote eigentlich immer Team mit Ehrenamtlichen durchgeführt werden, stellen die Hauptamtliche eine zentrale Rolle dar.
    Sollten Hauptamtliche daher nicht bereit sein, dies zu unterstützen, ist eher von Online-Angebote abzuraten. Insbesondere da dann meist auch die Gemeindevorstellung (These 1) nicht geteilt wird.
  • „Wie sieht es mit Angeboten für Kinder aus?“
    Aller Erfahrung nach sind Online-Angebote für Kinder kaum geeignet. Hier sind vor Ort-Angebote wichtig, die aber um Online-Angebote für Zuhause mit den Eltern ergänzt werden können.
  • „Erreicht man neue Zielgruppen?“
    Alle, die Online-Angebote machen, können dies bestätigen, wenn das Format entsprechend passend ist (Siehe auch These 2,3 und 4)
  • „Welche Erfahrungen gibt es mit hybriden Kleingruppen?“
    Einige Gemeinden experimentieren bereits mit hybriden Kleingruppen (siehe auch These 5).
    Dabei wurden mit eher geringem Aufwand gute Erfahrungen gemacht.Der Ansatz, einen großen Bildschirm zu benutzen, und auf oder vor diesen ein Handy zur Aufnahme von Bild und Ton zu benutzen, erschien dabei sehr einfach und praktikabel zu sein.
    Der Vorteil ist, dass alle zum Bildschirm sehen und auch von dort aufgenommen werden.
    Falls der Abstand zu den Teilnehmern vor Ort etwas größer ist, kann an das Handy auch ein externes Mikrophon angeschlossen werden.
    Soweit vorhanden sind auch Konferenzmikrophone (Spinnenform) geeignet.
  • „Wieviel Techniker braucht man?“
    Dies schwankt je nach Format. Aber im Schnitt braucht es

    • für kleine Audio-Videoimpulse eine weitere Person für die Aufnahme bzw. Schnitt und Veröffentlichung.
    • Bei aufgenommenen Gottesdiensten braucht man mindestens 1 Kameraperson, sowie 1 Person an der Tontechnik und jemanden, der danach alles zusammenschneidet und veröffentlicht.
    • Bei interaktiven Live-Gottesdiensten (Siehe These 3) braucht es 1-2 Kamerapersonen, 1 Tontechnik, 1 Person für den Live-Schnitt (OBS). Wenn mehrere Kameras zum Einsatz kommen, auch jemanden für den Bildmischer.Die Kompetenzen sind aber in den meisten Gemeinden – insbesondere bei Jugendlichen, die einen eigenen YouTube-Kanal betreiben, vorhanden.
  • „Bei hybriden Veranstaltungen die digitalen Zuschauer einbinden. Welche Tools gibt es?“
    Die am meisten eingesetzten Tools sind aufgrund ihrer Einfachheit und ohne große Vorkenntnisse

    • Für Gebetsanliegen bzw. Fragen zur Predigt etc.:
      do (einfach auf die Seite www.sli.do gehen und entsprechende Fragen etc. eingeben).
    • Für Wortwolken ebenfalls Sli.do oder Mentimeter (https://www.mentimeter.com/features)
    • Telefonnummer
      Nehmen Sie die Anliegen per Telefon an und tippen Sie diese dann in das entsprechende Tool.Auch möglich, aber mit Einschränkungen:
    • WhatsApp / Email etc. ist ebenfalls möglich, setzte aber eine öffentliche WhatsApp-Nummer bzw. Email-Adresse voraus.
    • Die Chatfunktion bei YouTube kann ebenfalls genutzt werden, setzt aber voraus, dass der Teilnehmer einen YouTube-Kanal hat.Übrigens können die vor Ort-Teilnehmer ebenfalls mit ihrem Handy corona-konform mitmachen. Hier sind Handys im Gottesdienst ausnahmsweise erwünscht 😊
  • „Wie kann man den Übergang von digital zu Präsenz schaffen?“
    „Wie kann man die Hemmschwelle, an einem Onlineangebot teilzunehmen, abbauen?“
    Siehe These 4 und 5. Wenn das Vertrauen durch die Online-Gottesdienste oder Impulse vorhanden ist, lassen sich viele zu weitergehenden – aber für sie relevanten Alltagsthemen einladen. Am Anfang eher online mit der Zeit viele aber auch offline.
  • „Wie kann man Rückmeldungen, Feedback … einbauen, wenn die Veranstaltungen nicht live gesendet werden?“
    Benutzen Sie am besten im Vorfeld (bei Ankündigung der Ausstrahlung) beim Versenden die gängigen sozialen Medien wie Facebook, Instagram aber auch WhatsApp, Emailverteiler etc.
    Falls Sie ihre Aufnahmen auf YouTube haben, einfach den Link entsprechend einbinden.Bauen Sie Fragen aber auch Umfragen entsprechend ein.
    Der „Rückkanal“ erfolgt dann automatisch über das versendete Medium.Und veröffentlichen Sie entsprechend Ihre Antworten.
  • „Wie verbinde ich die Offline-Gemeinde im ländlichen Bereich/Dorf mit der digitalen Vernetzungsmöglichkeit der Kirchengemeinde?“
    Siehe These 1,2 und auch 3.
    Manchmal lassen sich hybride Formate gut einführen, wenn sich die Gemeinde vor Ort auf Neuerungen einlassen will.
    Ansonsten sind aber auch zwei Formate absolut ok und die Vernetzung findet eher in den Gruppenangeboten (siehe These 4) statt.

Weitere Links

  • Die verschiedenen (Landes-)Kirchen und Verbände bieten zunehmend Online-Hilfestellen an.
  • Bei GottDigital haben wir ebenfalls verschieden Beiträge und Links zusammengestellt.
    Schauen Sie einfach das entsprechende Webinar auf gottdigital.de an bzw. den entsprechenden Blog
    https://gottdigital.de/blog

Ergänzungen?